ThinkPad E495 Testbericht

ThinkPad E495
„Kann alles, sogar Kaffee kochen.“

Ob dieses – und auch andere – koffeinhaltige Aufgußgetränk tatsächlich fehlerlos und kochend heiß zubereitet werden kann – dies möchten wir im folgenden Testbericht beleuchten.

Das vorliegende Gerät entstammt einer Teststellung durch ok2.de und kann unter https://ok2.de/20ne000jge.html käuflich erworben werden.

Kurz zu den technischen Daten:

Prozessor:
AMD Ryzen 5 3500U Quad-Core (2.1 – 3.7 GHz, 4 MB Cache)Arbeitsspeicher:
8 GB DDR4 2400MHz
Festplatte:
256 GB PCIe-NVMe SSD OPAL 2
Display:
14″ (35.6 cm) FHD IPS LED (1920 x 1080)
250nits, 16:9, 600:1 Kontrast, 170°
Grafikkarte:
AMD Radeon VEGA 8

Es handelt sich hierbei also um das Einstiegsmodell – verfügbar wäre auf 14 Zoll noch der Ryzen 3700U sowie als 15 Zoll E595 alternativ die Vega 10 Grafik.

Äußeres und erster Eindruck:

Das Thinkpad E495 kommt – soweit wenig überraschend – in einer klassischen Rot-Schwarz-Kombo. Stilecht wurde in der linken unteren Ecke dieses Mal ein roter Aufkleber aufgebracht welcher viel besser passt als der vorherige Blaue. Ein sehr angenehmer Zug von Lenovo an dieser Stelle.

Das Material des Gehäuses besteht vollständig aus Kunststoff – das Gehäuse selber aus einem matten, rauh strukturiertem Material während der Deckel ein glatteres, leicht glänzendes Material verwendet. Die klassische Gummierung fehlt an dieser Stelle leider.

Der physische Ersteindruck ist hervorragend – nichts knarzt, quietscht oder klappert. Die Unterschale ist an allen Stellen steif und wenig nachgiebig.

Das an dieser Stelle verwendete lange Scharnier in ebenfalls schwarz fällt nicht negativ auf – es lässt sich mit einer Hand öffnen, hält jederzeit die zuletzt eingestellte Position und schwingt auch bei schwungvollem Tippen nicht mit.

Anschlüsse:

Das Thinkpad E495 verfügt wie fast alle modernen Laptops nur noch über eine eingeschränkte Anzahl Anschlüsse oder Erweiterungsmöglichkeiten. Konkret stehen uns links neben der Ladebuchse (USB-C) ein HDMI-Port, zwei USB-Ports sowie der kombinierte Audioanschluss zur Verfügung.

An der rechten Seite finden sich ergänzend ein weiterer USB-Port, die RJ45-Netzwerkbuchse (volle Baugröße), das Kensington-Lock sowie ein Einschub für Mikro-SD-Karten.

Vorne und hinten gibt es leider keine Anschlüsse. Ein Dockingport steht nicht mehr zur Verfügung – hier wird auf die USB-C-Dockinglösung zugegriffen.

Eingabegeräte:

Wo wir noch beim Gehäuse sind – die Tastatur scheint eins-zu-eins aus den anderen Thinkpads entnommen zu sein. Bei diesem Modell leider ohne Tastaurbeleuchtung – nur einige Tasten verfügen über eine Status-LED (CapsLock, ESC/FnLock sowie Audio/Micro-Sperrtaste).

Das Tipp-Gefühl auf der Chiclet-Tastatur ist gut, es ist kaum Flex vorhanden, die Tasten sprechen sauber an. Selbst schnelle Tipper sollten hier keine Probleme bekommen.

Ebenso gibt das Trackpad keinen Grund zur Kritik. Es ist minimal rauer als auf anderen Geräten und reagiert zuverlässig. Einziger Wermutstropfen hier ist, daß es fast einen Zentimeter benötigt bis er einen von außen hineinstreichenden Finger erkennt. Dies könnte mit einer circa 1mm starken Absenkung des Trackpads gegenüber dem Gehäuse zusammenhängen und erschwert die Nutzung von Wischgesten. Die Klickbarkeit im unteren Bereich ist sehr gut und leichtgängig, im oberen Bereich durch die Hebelbewegung schwerer.

Der Trackpoint mit den dedizierten Tasten funktioniert wunderbar und wie gewohnt gut.

Ausgabegeräte:

Da wir nun mit der Eingabe in Daten sehr zufrieden sind – wie sieht es mit der Ausgabe aus?

Als Monitor steht uns ein 14 Zoll IPS-Display im 16:9 Format mit 1920×1080 Pixeln zur Verfügung. Dieses erstrahlt mit 250nits und soll einen Kontrast von 600:1 sowie ein Blickwinkel von ungewöhnlich niedrigen 170° bieten.

Nun – keine dieser Zahlen deutet auf ein aussergewöhnliches Display hin. Dies ist auch in Realität der Fall. Das Display ist für Büroumgebungen gut geeignet – die minimale Helligkeit ist sehr niedrig einzustellen, der Kontrast bleibt auch auf niedrigen Stufen erträglich. Die Ausleuchtung ist gleichmäßig und das Display invertiert auch bei starken Winkeln nicht. Ein Flackern oder Fiepen konnte ich im gedimmten Zustand nicht feststellen.

Anders sieht es aus sollte eine Arbeit im Freien angedacht sein – hier ist das Display schlicht zu dunkel und der Kontrast durch die leicht spiegelnde Oberfläche nicht hoch genug.

Der Kontrast und die Farbwiedergabe an sich geht für mittlere Ansprüche in Ordnung – vergleichen zu besseren Displays fehlt etwas Brillianz und Farbraum. Vergleichen mit den älteren TN-Displays ala T410 (die älteren unter uns werden sich noch errinnern) ist das Display allerdings traumhaft. Bildbearbeitung mit höheren Ansprüchen würde ich dennoch nicht vornehmen wollen.

Der Ton kommt beim Thinkpad E495 aus Boxen an der Unterseite. Dies funktioniert je nach Unterlage gemischt gut. Leider neigen die Boxen bei mittlerer und hoher Lautstärke zum Scheppern. Die Lautstärke an sich ist vergleichsweise hoch und reicht zur Beschallung eines Office-Bereichs aus.

Wartbarkeit und Erweiterung:

Der Prämisse folgend, daß Wartungsklappen der Vergangenheit angehören gestaltet sich auch das E495. Die einteilige Unterschale lässt sich nach dem Lösen einer Handvoll Schrauben mit viel Geduld und Vorsicht in einem Stück entfernen und gibt den Blick auf fast jedes wartbare Teil im E495 frei.

Erste positive Eindrücke dabei sind die zwei verfügbaren Ram-Slots von denen nur einer mit einem 8GB-Riegel belegt ist. Ein Aufrüsten auf 2x8GB wäre hier sehr zu empfehlen, da Ryzen-CPUs von DualChannel sehr stark profitieren. Die 256GB größe NVMe-SSD von Hynik befindet sich in einem der zwei M.2-Slots (der zweite wird durch die WLAN-Karte 9260 von Intel belegt). Sehr wohlwollend zur Kenntnis nam ich auch den mitgelieferten 2,5-Zoll-Dummy. Hier ist es nicht nötig ein Anschlusskit nachzukaufen – eine vorhandene Festplatte kann sofort eingebaut werden.

Alle anderen Teile inkl. Lüftung, Akku und Scharniere sind leicht zugänglich. Ein Ausbau des Mainboards aus dem Träger sollte daher niemals nötig sein (viele Grüße an HP…)

Insgesamt also eine sehr gute Wertung – von der Unterschale mit ihren empfindlichen Plastikclips abgesehen – da keine verlöteten Teile existieren die eine Auf- oder Umrüstung erschweren.

Innere Werte:

Nachdem wir nun das Äußere bewundert und für gut befunden haben kommen wir zum interessantesten Part – dem Innenleben.

Im Gegensatz zu den normalen Baureihen verfügt dieses E-Modell über einen AMD Prozessor. Dies ist an sich kein Novum bei Lenovo – es gab bereits Baureihen mit solchen – allerdings hat in letzter Zeit AMD mit der Ryzen-Reihe sehr viel richtig gemacht. Wollen wir mal sehen ob dies auch bei Mobilprozessoren so ist.

Der vorliegende E495 verfügt über einen AMD Ryzen 3500U Prozessor welcher nominell zwischen 2,1-3,7 GHz takten soll – je nach Auslastung, Temperatur und benötigter Kernanzahl. Dafür stehen ihm 15 Watt TDP zur Verfügung.

Innere Werte

Unter Beobachten nutzt der Ryzen 3500U seinen Spielraum vollständig aus – im Leerlauf taktet er mit 1,33 GHz – unter Last bis zu 3,72 GHz. Dies ist grundsätzlich auch im Akkubetrieb der Fall – allerdings scheint er dort weniger aggressiv hochzutakten, so das es dort zu etwas geringeren Leistungswerten kommt.

Unter PCMark10 erreicht der 3500U um Netzbetrieb eine Wertung von 3418 Punkten, im Akku-Betrieb bleiben davon 2728 Punkte. Ich möchte an dieser Stelle vorab greifen – DualChannel lohnt sich. Der PCMark10-Wert steigt mit 2x8GB auf ganze 3861 Punkte – eine Steigerung von 13%.

Zu einem schnellen Prozessor gehört bekanntlich auch ein potentes Kühlsystem. Dieses ist wie in allen Nicht-Workstation-Modellen durch die Größe etwas eingeschränkt und limitiert in vielen Fällen die maximale Leistung des Prozessors. Glücklicherweise ist dies im vorliegenden Falle zwar grundsätzlich wahr, es kommt aber nicht zu abstrusen Drosselorgien ala 800 MHz.

Grundsätzlich zum Kühlsystem: Der Lüfter bewegt sich zwischen 0 UPM bis ungefähr 60°C (daher meist passiv gekühlter Betrieb möglich), startet dann mit hörbaren 3300 UPM und steigert sich bis zu einem Maximum von 4700 UPM (deutlich hörbar). Diese Umdrehungszahl erreicht er bei rechenintensiven Aufgaben oder grafiklastigen Prozessen nur selten – bei dauerhaftem Einsatz wie Rendern oder ähnlichem aber schon.

Dort kommt es dann auch zum thermalen Einbremsen – bei etwa 80°C beginnt der Prozessor seinen Takt zu reduzieren, mehr als 84°C hat er bei mir nicht erreicht. Bei dieser Temperatur hält er einen dauerhaften Takt von 2900-3050MHz auf allen Kernen auch über längere Zeiträume (h264/h265 Encoding in handbrake). Da ich derzeit 30°C Raumtemperatur habe sind bei angemesseneren Temperaturen sicherlich höhere Taktraten möglich.

Da die Abluft nach unten abgeführt wird wäre ein „Aufbocken“ eventuell hilfreich.

War da nicht noch etwas – ach ja – der Kaffee. Wie man sieht – 84°C heiß wäre er möglich – eine durch aus zureichende Trinktemperatur. Dennoch wird das aufbrühen bei diesen Temperaturen nicht gut – hier sollte man lieber zu Intel-Prozessoren greifen, da diese bis zu 100°C erreichen können. Im Regelbetrieb wird der Kaffee allerdings nur lauwarm – 44-56°C. Daher eignet sich das E495 leider nicht zum Kaffee kochen – wohl aber zum Warmhalten.

Grafik:

Das Lenovo E495 verfügt nur über die kleinste Ausbaustufe der Vega Grafikkarte – die Vega 8. Dennoch macht diese für eine im Prozessor integrierte Grafikkarte ein sehr gutes Bild – sprichwörtlich.

Sie setzt sich auf eine Position weit vor der Intel 620 – selbst die MX150 aus dem T480s (3551 Punkte) muss sich geschlagen geben. Die MX150 aus dem T480 kann allerdings von der erhöhten Kühlleistung profitieren und bleibt mit 4300 Punkten vorne. Dennoch sind beides dedizierte Grafikkarten mit allen Vor- und Nachteilen. Wer mehr Leistung der integrierten Grafikkarte wünscht wird mit der Vega 10 fündig.

Für ein Spiel zwischendurch reicht es alle mal – neuste Titel oder volle Details in FullHD schafft sie nicht. Für ein Officenotebook ist die Leistung aber mehr als beachtlich.

Beachten sollte man zwingend, das die Vega 8 ihre volle Leistung nur im DualChannel Betrieb erreicht – immerhin 23% Mehrleistung. In meinen Augen ist der zweite 8GB-Riegel ein Pflichtkauf.

Festplatte:

Als Festplatte kommt eine M.2-NVMe-Variante von SK Hynix (HFM256GDHTNG-8510B) mit 256GB zum Einsatz.

Diese arbeitet gefühlt zügig und stellt kein „Arbeitshindernis“ dar – ist aber merklich langsamer als die NVMe-SSDs von Samsung. Beispielsweise gelingt das kopieren auf sich selbst nur mit 80MB/s. Weiterhin verringert sich die allgemeine Leistung im Akkubetrieb – dies dürfte allerdings eher Einsparungen des Prozessors zuzuschreiben sein.

Akku:

Der integrierte Akku fasst 45Wh und ist mit etwas Geschick austauschbar – allerdings nicht unterwegs. Im Gegensatz zu den T-Modellen gibt es keinen externen Akku, so daß der festverbaute Akku gleichzeitig auch der einzige Energiespender bleibt.

Mit niedrigster Helligkeit, einem offenen Browser und verschiedenen Fensterle ohne Last attestiert Windows dem E495 11 Stunden und 10 Minuten Akkulaufzeit (CPU Package Power 0,73W). Dieser Wert sinkt auf unter 90 Minuten bei voller Last (11,1W Package Power, 3,12 GHz auf allen Kernen). Realistisch sind 5-7 Stunden bei wechselnder Last.

WLAN:

Verbaut ist ein Intel-Model 9260NGW – dieses erreichte im Test 34 MB/s Download über ein 866Mbit 5GHz WLAN – sehr anständig und zufriedenstellend. Die Reichweite war in Ordnung und vergleichbar mit anderen Geräten (in der besseren Hälfte).

Software:

Typischerweise wird das Gerät mit Windows 10 ausgeliefert. Dies war bei mir nicht der Fall – eine Installation vom UEFI-Stick funktionierte aber problemlos, es gab keine Treiberprobleme bzgl. der NVMe-SSD (1809). Unter Windows wurde System Update installiert welcher alle fraglichen Treiber fand (inkl. eines Bios-Updates).

Mir ist bei der Benutzung nichts Negatives aufgefallen – einzig bei hoher Last kam eine per USB angebundene Maus manchmal ins Ruckeln.

Insgesamt eine sehr problemlose Installation ohne Fallen. Sehr schön.

Linux:

Auf Wunsch wurde zum Test der Linux-Kompatibilität das auf Ubuntu basierende POP_OS genutzt. Dessen Installation auf der NVMe-Disk schlägt ootb zunächst fehl, lässt sich aber manuell installieren. Ist es erst installiert fühlt es sich von der ersten Minute an zügig an und zeigt keine eklatanten Aussetzer […]

Fazit:

Würde ich das E495 empfehlen? Unbedingt. Der Ryzen 3500U ist sehr gut gegen die Intelkonkurrenz aufgestellt, die Akkulaufzeit vergleichbar. Das Kühlsystem bewältigt die Leistung spielend – der Basistakt von 2,1 GHz wird immer deutlich übertroffen. Die Grafik spielt in der Liga der dedizierten Grafikkarten – was will man mehr?

Abstriche muss man bei Ausstattung (SSD, gummierter Deckel) machen – dafür glänzt das E495 bei der Erweiterbarkeit (abgesehen vom fehlenden LTE) wie dem zweiten Ram-Riegel. Die Verarbeitung ist untadelig und die Materialien dem Preis angemessen.

Insgesamt eine klare Kaufempfehlung.

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