ThinkPad X1 Extreme (i7 6-Core, FHD) Testbericht

Schon seit einigen Jahren werden die leistungsstarken ThinkPad-Serien von Lenovo umorganisiert. Die Workstation-Serie „W“ wurde durch die P-Serie mit 15,6″ und 17,3″ großen Displays ersetzt – die leistungsstärksten Geräte im ThinkPad-Lineup, aber auch ein großer Kompromiss an die Mobilität. Die mit einem 14,0″-Display kompakteren „p“-Modelle der T-Serie, welche weiterhin ohne stromsparende Ultrabook-CPUs auskamen, schienen jedoch zu entfallen, nachdem das 2017 vorgestellte ThinkPad T470p keinen Nachfolger mehr erhielt. Unter anderem diese Klientel, aber auch X1 Carbon-Kunden, welche mehr Leistung benötigen, spricht Lenovo mit dem Ende 2018 vorgestellten ThinkPad X1 Extreme an, welches wir hier testen.

Das ThinkPad X1 Extreme.

Die wichtigsten technischen Daten des Testgeräts lauten:

ThinkPadX1 Extreme – Typ 20MGS0EQ00
CPUIntel Core i7-8750H – 6x 2.2-4.1 GHz, 9 MB L3-Cache
RAM16 GB DDR4-2666
Grafik15.6″ 1920×1080, IPS, LED-Backlight, XXX nits
Nvidia GeForce GTX 1050 Ti (4GB GDDR5)
Gewicht1.7 kg
Preis1.959 € (Studentenmodell)

Gehäuse

Nach dem Entnehmen aus der edlen Originalverpackung macht auch das Gehäuse des X1 Extreme einen durchweg sehr guten Eindruck. Optisch passt sich das Gerät perfekt in die X1-Serie ein, es wirkt elegant, schlicht und wie aus einem Guss. Die ThinkPad-Logos werden, wie in der gesamten X1-Serie, in schwarz mit rotem i-Punkt gestaltet, der rote Punkt auf dem Displaydeckel dient dabei als Betriebs-LED. Die Spaltmaße sind sehr gleichmäßig, nirgends sind Plastik-Rastnasen zu sehen. Hier hat Lenovo sehr auf das edle Erscheinungsbild geachtet.
Mit 1.7 kg (Variante mit FHD-Display) gehört das X1 Extreme zu den leichtesten Vertretern seiner Klasse. Auch wirkt es mit 18.4mm an der dicksten Stelle sehr dünn. Auch wenn es den Vergleich zum Dell XPS 15 noch verliert, nutzt Lenovo die Abmessungen des Gerätes gut aus, die Displayränder sind vergleichsweise dünn. Der Rand unter dem Display, und somit auch die Tiefe des gesamten Gerätes, hätten jedoch kleiner ausfallen können. Lenovo verbaut eine Tastatur ohne Ziffernblock, sodass auch breite Ränder links und rechts von der Tastatur entstehen. Rechts von der Tastatur sitzen Einschalter und Fingerabdruckleser.

Der Displaydeckel des X1 Extreme wird aus Carbon-verstärktem Kunststoff gefertigt und hat eine eher glatte Oberfläche. Er ist sehr dünn, wirkt aber dennoch stabil und ist tatsächlich erstaunlich verwindungssteif. Auch gegen Druck von außen schützt er das Display effektiv – gute Nachrichten für Nutzer vollgepackter Rucksäcke. Das Display ist über ein mittiges Scharnier mit dem Notebook verbunden, welches das Display fest in Position hält, aber dennoch das Öffnen mit einer Hand erlaubt und bis zu 180° geöffnet werden kann. In der Aussparung des Scharniers versteckt Lenovo die Luftauslässe der Kühlung.

Das Topcase wird aus einer Aluminiumlegierung gefertigt und fühlt sich erstaunlich weich an – hier erinnert man etwas an die gummierte Handballenauflage früherer Flaggschiffe wie das ThinkPad Reserve Edition oder das ThinkPad X300 und X301. Dadurch ist das Palmrest an kühleren Tagen aber auch nicht gleich sehr kalt, wie es bei Aluminiumgehäusen der Fall ist. Die Oberflächenbeschichtung wirkt jedoch leider etwas empfindlich für Kratzer oder andere Beschädigungen, tatsächlich sieht man auch schon nach einigen Tagen der Nutzung leichte Spuren des Displays auf dem Palmrest. Aufgrund der sehr großen Handballenauflage des X1 Extreme hat unser Tester daher seine Armbanduhr mit Metallband vorsichtshalber abgelegt.
Die Bodenplatte mit einem großen und zwei kleinen Standfüßen ist aus Kunststuff gefertigt und ebenso weich beschichtet. Sie wirkt deutlich stabiler als beispielsweise bei frühen Generationen des ThinkPad X1 Yoga, klappert aber dennoch leicht.

Die Bodenplatte des X1 Extreme.

Die Wartbarkeit des ThinkPad X1 Extreme ist für ein so dünnes Notebook exzellent. Nach dem Abnehmen der Bodenplatte hat man direkten Zugriff auf Akku, RAM-Riegel (unter schwarzer Folie), SSDs, Lüfter und WLAN-Karte. CPU und GPU sind sogar auf der Unterseite des Mainboards verbaut, sodass nicht nur die Lüfter einfach gereinigt werden können, sondern auch nach einigen Betriebsjahren die Wärmeleitpaste einfach nach dem Abnehmen des Lüfters ohne Mainboard-Ausbau erneuert werden kann.

Ingesamt ist das X1 Extreme dennoch ein sehr kompaktes 15,6″-Notebook. Wie der Vergleich mit einem 14″-ThinkPad ähnlicher Leistungsklasse, dem T470p, zeigt, ist das ThinkPad X1 Extreme nur marginal größer, aber deutlich dünner und leichter und bietet eine um 1,6″, also 4cm größere Displaydiagonale.

Tastatur

Das X1 Extreme besitzt, wie auch das X1 Carbon, eine ins Topcase integrierte Tastatur ohne Ziffernblock, sodass man mittig vor dem Display tippt – das ist angenehmer, und eine breitere Tastatur mit Nummernblock hätte aufgrund der geringen Bauhöhe vermutlich Probleme mit den Schnittstellen erzeugt, wäre also nicht möglich gewesen. Das Layout entspricht dem aller aktuellen ThinkPad-Serien mit sechs Tastenreihen, wobei die obere (Esc, Funktionstasten und Pos1-Ende-Einfg-Entf) nur die etwa halbe Höhe besitzt. Die Tastatur ist hintergrundbeleuchtet, zwei Stufen können per Tastenkombination Fn-Leertaste geschaltet werden. Einen Helligkeitssensor zur automatischen Steuerung gibt es leider nicht. Als Teil des Designs der X1-Serie gestaltet Lenovo die Status-LEDs des Gerätes, wie die Betriebs-LED im Einschalter und die LEDs der Caps-Lock-, Fn-Lock-Taste (Esc) und der Stummschalter (Lautsprecher und Mikrofon) nicht mehr in grün und rot, sondern weiß. ThinkPad-Fans werden hier Farbakzente fehlen, aber rein praktisch gesehen fallen die LEDs so auch weniger auf – während des Tests habe ich nicht nur einmal nicht gemerkt, dass die Lautsprecher stummgeschaltet sind.

Die Tastatur des X1 Extreme.

Das Tippgefühl der Tastatur ist erstklassig. Der Anschlag fällt sehr satt aus und erlaubt zügiges und fehlerfreies Tippen. Gleichzeitig bleibt die Tastatur auch bei schnellem Tippen sehr leise, was für den Einsatz in ruhigen Räumen wie einer Bibliothek ideal ist. Der Tastenhub ist zwar minimal niedriger als bei ThinkPads z.B. der T-Serie, muss aber dennoch gelobt werden, fällt er doch im Vergleich zu anderen, ähnlich dünnen Geräten deutlich größer aus. Vermutlich dank der integrierten Bauweise klappert die Tastatur auch nicht.

Einzig und allein die einzelne Taste im Topcase, der Einschalter, hat leider keinen überzeugenden Druckpunkt – man muss deutlich fester drücken als von älteren ThinkPads gewohnt, aber schon vorher gibt es einen leichten Druckpunkt, sodass man erstmal denkt, man hätte den Einschalter betätigt.

TrackPoint und Touchpad

Auch TrackPoint und Touchpad überzeugen. Der TrackPoint erlaubt zügiges und präzises Navigieren. Die Maustasten erfordern von erfahrenen TrackPoint-Nutzern eine leichte Umgewöhnung, sind sie bei dieser Serie vermutlich zwecks niedrigerer Bauhöhe nun als Klicktaster und nicht als Membranschalter wie die Tastatur-Tasten ausgeführt. Der Hub der Tasten ist also deutlich geringer und lässt siese im direkten Vergleich zu älteren Geräten etwas weniger wertig wirken.

Das Glas-Touchpad ist, wie üblich bei Lenovo, ein von Windows 10 als „Precision Touchpad“ eingebundenes. Es ist ausreichend groß und erkennt normale wie Multitouch-Eingaben zuverlässig. Klicks werden durch Drücken des gesamten Touchpads registriert, auch hier sorgt Lenovo für ein sattes Gefühl und vermeidet jegliches Klappern.

Display

Unser Testgerät ist mit dem matten Full HD-IPS-Display ausgestattet. Lenovo bewirbt dieses Display mit einer Helligkeit von 300 nits und 72% Gamut (Farbraumabdeckung, allerdings wird kein Referenzfarbraum angegeben). Optional kann das X1 Extreme mit einem 4K HDR-IPS-Display ausgestattet werden, das 400 nits Helligkeit und 100% Gamut erreicht – es unterstützt zusätzlich Multitouch-Eingabe mit bis zu 10 Fingern sowie einen Digitizer-Stift, weist aber auch eine spiegelnde Oberfläche auf.

Das im Testgerät verbaute Full HD-Display stammt vom Hersteller BOE und hat die Bezeichnung NV156FHM-N61. Es kann auf den ersten Blick überzeugen, Farben werden kräftig dargestellt und bleiben auch bei extremeren Blickwinkeln noch vergleichsweise konstant. Für einen objektiven Eindruck haben wir das Display mit einem Datacolor Spyder 5-Colorimeter vermessen.

Die Farbraumabdeckung liegt bei 95% sRGB und 73% Adobe RGB. Damit ist das Display für farbakkurate Grafikbearbeitung durchaus geeignet, wenn auch nicht perfekt. Die maximal erreichbare Helligkeit von 321,5 cd/m² (mittig gemessen) erlaubt ein bequemes Arbeiten in hell beleuchteten Räumen oder auch draußen – lediglich bei direkter Sonneneinstrahlung muss sich das Display geschlagen geben, in diesem Fall kann man nicht mehr viel erkennen. Im Dunkeln lässt sich das Display auf 4,5 cd/m² (mittig gemessen) dimmen und erlaubt somit angenehmes Arbeiten auch bei völliger Dunkelheit.

Lautsprecher, Mikrofon, Kamera

Das ThinkPad X1 Extreme besitzt zwei Lautsprecher, die am linken und rechten Rand der Handballenauflage verbaut sind und durch Öffnungen in der Bodenplatte nach unten abstrahlen. Die Lautsprecher erreichen eine angemessene Lautstärke und reichen aus, um z.B. für eine Telefonkonferenz einen kleinen Konferenzraum (ca. 20 Plätze) zu beschallen. Die Klangqualität ist mittelmäßig – wohl der geringen Bauhöhe geschuldet sind tiefe Frequenzen leider sehr schwach, Mitten werden gut und klar wiedergegeben, Höhen verschwimmen allerdings und neigen bei hoher Lautstärke zum Verzerren. Hier muss sich das X1 Extreme dem Platzhirsch, dem Apple MacBook Pro, klar geschlagen geben. Das Dual Array-Mikrofon sorgt in Telefonkonferenzen für eine gute Verständlichkeit beim Gegenüber.

Unser Testgerät ist mit einer normalen Webcam sowie einer IR-Kamera zwecks Windows Hello-Unterstützung ausgestattet, weshalb die mechanische ThinkShutter-Kameraabdeckung fehlt. Sobald eine der Kameras aktiv ist, schaltet sich eine weiße LED rechts des Kameramoduls ein. Links und rechts von der Kameraeinheit befinden sich zwei IR-Dioden, die im Windows 10-Sperrbildschirm kurz flackern, bis nach einer knappen Sekunde das Gesicht korrekt erkannt wird und man automatisch angemeldet wird – ein praktisches Feature, dass zumindest mit einem gedruckten Foto nicht auszutricksen ist und auch in dunkler Umgebung noch zuverlässig funktioniert. Natürlich bietet die Kameraeinheit auch eine normale Kamera für Videoanrufe. Diese löst zwar nur mit 1280×720 Pixeln auf, was Lenovo leider seit Jahren nicht erhöht, dafür fällt die Bildqualität gut aus. Im Vergleich zu einem ThinkPad T470p wirkt das Bild bei gleicher Auflösung detallierter, denn die Kamera rauscht spürbar weniger. Bei geringem Licht wird jedoch auch beim X1 Extreme ein deutliches Bildrauschen sichtbar.

Konnektivität

Trotz der dünnen Bauform hat Lenovo nicht an Anschlüssen gespart: Zwei USB 3.1 Gen 1-Anschlüsse (USB Typ A, klassicher USB-Port) sowie zwei USB 3.1 Gen 2/Thunderbolt 3-Anschlüsse (USB Typ C) erlauben den Anschluss zahlreicher Peripherie. Monitore können hierbei über die USB Typ C-Anschlüsse, die gleichzeitig den DisplayPort-Standard unterstützen, oder per HDMI 2.0 angeschlossen werden. Auch ein Kartenleser für normale SD-Karten wird von Lenovo verbaut, wie auch eine 3.5mm-Kombibuchse für Kopfhörer und Mikrofon sowie optional ein Smartcard-Leser. Lediglich eine Ethernet-Buchse ist bei der Bauhöhe des X1 Extreme nicht möglich, hier verbaut Lenovo stattdessen eine proprietäre, kleine Buchse und liefert einen passenden Adapter mit, sodass man nicht auf USB-Lösungen zurückgreifen muss. Geladen wird das ThinkPad X1 Extreme über einen eckigen 20V-Netzteilanschluss – USB Typ C kann vermutlich nicht genug Leistung bereitstellen, schließlich wird das X1 Extreme in der Testkonfiguration mit einem 135W-Netzteil ausgeliefert.

Drahtlosen Anschluss findet das ThinkPad X1 Extreme über eine Intel Wireless-AC 9260 per WLAN sowohl in 2.4 als auch 5 GHz entsprechend dem aktuellen 802.11ac-Standard. Die Karte unterstützt ebenfalls Bluetooth 5.0. Völlig unverständlich für ein so auf Mobilität ausgelegtes Notebook: WWAN (Internetanbindung per Mobilfunk, d.h. UMTS/HSDPA/LTE) ist nicht einmal optional verfügbar.

Technische Daten

TestgerätAlternativen
CPUIntel Core i7-8750HIntel Core i5-8300H
Intel Core i5-8400H
Intel Core i7-8850H
RAM16 GB DDR4-2666 (2 Slots)max. 64 GB
GrafikIntel HD 630
Nvidia GTX 1050 Ti Max-Q 4GB
HDD/SSD512GB SSD, NVM.e M.2 2280max. 2x M.2 2280 NVMe-SSD
WLANIntel Wireless-AC 9560 a/g/n/ac
Bluetooth5.0 (integriert in WLAN-Karte)
LTE
Schnittstellen2x USB 3.1 Gen1
2x USB Typ C/Thunderbolt 3/DisplayPort
HDMI
SD
3,5mm Klinke
Smartcard-Leser
Gigabit-Ethernet mittels Adapter (proprietär)
Smartcard-Leser optional
BiometrieFingerprint-Reader
IR-Kamera
IR-Kamera optional
AudioStereo-Lautsprecher
Mikrofon
Webcamja, HD 720PHD 720p mit ThinkShutter (ohne IR-Kamera)
Akku80,4 Wh, fest verbaut
Netzteil135 W
OSWindows 10 ProWindows 10 Home
Gewicht1.7 kg1.8 kg (mit 4K HDR-Display)
Größe36,1cm x 24,6 cm x 1,8cm 36,1cm x 24,6 cm x 1,9cm (mit 4K-HDR-Display)

Benchmarks

CPU

Der Intel Core i7-8750H ist mit 6 Kernen, die zwischen 2,2 und 4,1 GHz takten, eine der aktuell leistungsstärksten Notebook-CPUs. Verbaut in einem auf Mobilität ausgelegten Gerät wie dem X1 Extreme stellt sich jedoch die Frage: Wie viel Leistung kann die CPU tatsächlich ausspielen?

Lenovo hat mit einem stark ausgelegten Kühlsystem aus zwei Lüftern mit großen Heatpipes gute Voraussetzungen geschaffen. Leider scheint jedoch im Akkubetrieb eine künstliche Limitierung der CPU zu greifen. Wir haben zwei verschiedene Einstellungen getestet:
In der optimierten Einstellung werden im BIOS die CPU-Leistung auf „Battery optimised“ und das Temperaturmanagement auf „Balanced“ gesetzt, in Windows 10 wird das Energieprofil auf „bessere Leistung“ eingestellt. In unserem Vergleichsbenchmark Cinebench R20 erreicht das ThinkPad X1 Extreme damit einen Durchschnittswert (5 Läufe) von 1109 Punkten.
In der Einstellung für Höchstleistung werden die BIOS-Einstellungen beide auf „Maximum performance“ gesetzt, unter Windows wird „Höchstleistung“ eingestellt. Hierbei steigt die Leistung etwas weiter an, durchschnittlich können 1400 Punkte erreicht werden.

Im Netzbetrieb greift diese Drossel nicht mehr. Nun kann die CPU deutlich mehr leisten und das X1 Extreme erreicht im Cinebench R20 durchschnittlich 2236 Punkte. Allerdings greift nun das Thermal Throttling, da die CPU-Temperatur auf bis zu 97°C ansteigt (mehr dazu später). Wir haben daher mit Intels Extreme Tuning Utility (XTU) versucht, die CPU-Spannung zu senken (Undervolting). Erstaunlicherweise blieb unser Testgerät unter Volllast selbst mit Undervolting um 0.14V stabil. Das erhöht die Cinebench-Punktzahl um noch einmal knapp 300 Punkte. Wir können Besitzern des X1 Extreme mit dieser CPU daher nur empfehlen, das Gerät standardmäßig mit Undervolting zu betreiben.

Grafik

Das ThinkPad X1 Extreme verfügt über zwei GPUs im Nvidia Optimus-Verbund: Die in der CPU integrierte Intel HD Graphics 630, welche den Arbeitsspeicher als VRAM verwendet, sowie eine Nvidia GeForce GTX 1050 Ti Max-Q mit 4GB RAM.
Im bekannten Grafik-Benchmark Geeks3D FurMark erreicht das X1 Extreme mit der Intel-GPU 436 Punkte (8 FPS), mit der Nvidia-GPU 2176 Punkte (36 FPS), jeweils im Durchschnitt von fünf Durchläufen. Letztere kann sich hier also klar von der integrierten Grafik distanzieren.

Als zusätzliches Plus wird die Nvidia GeForce GTX 1050 Ti Max-Q von Adobe Premiere CC als CUDA-Beschleuniger unterstützt. Leider ist es hier nach wie vor nötig, mit diversen Kombinationen von Intel- und Nvidia-Grafiktreibern zu experimentieren, bis die CUDA-Beschleunigung zuverlässig arbeitet.

SSD

Lenovo verbaut eine 512 GB große Intel 760p Series NVMe-SSD im M.2-2280-Format (80mm lang), die per PCIe 3.0 x4 angebunden ist. Hierbei handelt es sich um ein sehr schnelles Laufwerk, das auch professionellen Anwendungen gewachsen sein sollte. Das X1 Extreme verfügt sogar über 2 M.2-2280-Slots, sodass das Gerät mit zwei SSDs ausgestattet werden kann. Optional werden dann RAID 0/1 unterstützt.

CrystalDiskMark-Benchmark der Intel 760p-SSD im X1 Extreme.

Temperatur, Lüfter und Lautstärke

Wie bereits beschrieben, hat Lenovo dem X1 Extreme ein potentes Kühlsystem mit zwei Lüftern und diese verbindenden Heatpipes spendiert. Weiterhin kann die Hardware trotz der beeindruckenden Performance auch sehr stromsparend arbeiten – im Office-Betrieb fällt der Verbrauch regelmäßig auf bis unter 7 Watt. Im Normalbetrieb bleiben die Lüfter ausgeschaltet oder arbeiten auf der niedrigsten Stufe, wobei das Notebook komplett lautlos bleibt. Unter Last drehen die Lüfter jedoch schnell hoch, da das dünne Design keinen Kühlkörper mit großer Wärmekapazität erlaubt. Das Lüftergeräusch ist vergleichsweise hoch, was vermutlich dem Lüfterdesign und dem ins Scharnier integrierten Luftauslass geschuldet ist, aber nicht besonders laut – in einem ansonsten sehr leisen Raum kann das schnell nervig werden, mit anderen Umgebungsgeräuschen stört es aber keineswegs.

Während des Cinebench-CPU-Benchmarks beobachteten wir bei „optimierter Leistung“ im Akkubetrieb einen Anstieg der CPU-Temperatur bis 75°C, der Lüfter wird bei ca. 70°C deutlich hörbar. Die Temperatur bleibt dann im Bereich um 70°C, während die CPU-Frequenz zwischen 1,69 und 1,74 GHz pendelt und die CPU bei einer TDP von 17-18W begrenzt wird. Intel XTU zeigt trotz der vergleichsweise niedrigen Temperatur „Thermal Throttling“ an – vermutlich liegt hier die oben beschriebene Begrenzung der CPU-Leistung im Akkubetrieb.
Bei Einstellungen auf „Höchstleistung“ klettert die CPU-Temperatur bis auf 80°C, sinkt dann aber mit laufendem Lüfter auf 70-75°C ab. Am Anfang taktet die CPU kurz mit bis zu 2.89 GHz, pendelt sich dann aber langfristig bei stabilen 1,74 GHz und 20W TDP ein.

Im Netzbetrieb steigt die CPU-Temperatur bis auf 97°C, sinkt aber auch nach Start des Lüfters nicht – hier begrenzt dann tatsächlich die Kühlleistung die CPU. Die Frequenz liegt anfangs bei 3 GHz (TDP: 46W), sinkt nach ca. 30s auf 2,8 GHz (TDP: 43W) ab und bleibt dort stabil. Auch hier wird „Thermal Throttling“ angezeigt.
In unseren Experimenten mit Intel XTU konnten wir leider die Temperatur nicht soweit senken, dass kein Thermal Throttling mehr stattfindet. Bei -0.14V erreicht die CPU jedoch bei gleicher Temperatur stabile 3.4 GHz und ein entsprechendes Leistungsplus. Bei niedrigerer Spannung konnte das Notebook nicht mehr zuverlässig aus dem Standby aktiviert werden.

Akkulaufzeit

Das X1 Extreme wird mit einem Lithium-Polymer-Akku mnit einer Nennkapazität von 80,4 Wh ausgeliefert. In unserem Testgerät stammen die Zellen vom Hersteller Celxpert – ein relativ neues Mitglied in der Gruppe der Akkuzulieferer.

Der vergleichsweise große Akku erlaubt auch ein entsprechend großes Spektrum an Laufzeiten. Wir haben mit „Battery Eater 2.70“ einen bekannten Test ausgewählt, um die Akkulaufzeit vergleichbar beurteilen zu können. Im „Classic Test„, der CPU und GPU mit einer OpenGL-Szene belastet, schaltete sich das Testgerät nach 1h36min bei 5% Ladestand ab. Im „Reader’s Test„, der regelmäßig in einem Textdokument scrollt, ermöglicht der Akku eine Laufzeit von 13h10min und zeigt eindrucksvoll, dass auch ein sehr leistungsstarkes Notebook im Office-Betrieb extrem stromsparend betrieben werden kann.

Natürlich ist der „Reader’s Test“ ein Szenario mit extrem geringer Belastung, sodass die Laufzeit im normalen Office-Betrieb kürzer ausfallen wird. Im Alltagstest waren aber dennoch ca. 9-10 Stunden problemlos möglich, sodass das X1 Extreme einen ganzen Office-Arbeitstag ohne Laden durchhält.
Stehen Arbeiten an, die dem Gerät mehr Leistung abfordern, geht die Akkulaufzeit aber natürlich in die Knie. Hier eine vergleichbare Messung durchzuführen, ist leider nahezu unmöglich. In meinem Alltag mit Office und Internet, aber auch aufwändiger Bildverarbeitung habe ich eine Laufzeit von ca. 7 Stunden erreicht.

Lenovo bewirbt beim ThinkPad X1 Extreme eine Ladezeit von 5% auf 80% in 60 Minuten. Mit dem mitgelieferten 135W-Netzteil, das immer noch den eckigen 20V-Ladestecker anstelle von USB Typ C nutzt, erreicht unser Testgerät nach ca. 70 Minuten einen Ladestand von 80% – etwas langsamer als beworben, aber immer noch ein beeindruckendes Ergebnis. Nach insgesamt ca. 130 Minuten erreicht der Akku dann 100%.

Weitere Testergebnisse

User-Fragen

Wie bewährt sich das neue Scharnier?

Im Gegensatz zu den meisten ThinkPads, die zwar ins Unterteil eingelassene, aber dennoch zwei kleine außenliegende Scharniere nutzen, hat das X1 Extreme „ein“ großes Scharnier, das fast die gesamte hintere Kante des Geräts einnimmt. Technisch gesehen handelt es sich dennoch um zwei Scharniere, die jeweils außen an dieser Leiste installiert sind. Sowohl in Sachen Handhabung als auch Haltbarkeit unterscheidet sich diese Lösung vermutlich nicht. Lenovo hat sie gewählt, um die Lüftungsschlitze an der Rückseite des Geräts zu platzieren – an der Seite wäre schlichtweg kein Platz und das Lüfterdesign müsste grundlegend verändert werden. Wie bereits oben erklärt, kann die Abluft so aber natürlich nicht ideal wie bei freiliegenden Luftauslässen abgeführt werden.

Wie sind die Multimedia-Fähigkeiten des X1 Extreme?

Zum Anschauen von Fotos und Videos eignet sich das X1 Extreme sehr gut. Das Display ist hell und stellt gute Farben dar, auch der Schwarzwert überzeugt subjektiv. Die Lautsprecher sind ausreichend laut und klar. Tiefen sind leider eher schwach, und auch zum Musikkonsum sollte man lieber externe Lautsprecher anschließen.

Ein derart leistungsstarkes Notebook ist natürlich auch zur Bearbeitung von Medieninhalten prädestiniert. Nach der Kalibrierung ist mit dem Display ein größtenteils farbakkurates Arbeiten möglich. Wir haben daher sowohl die Entwicklung von RAW-Fotos in Adobe Lightroom Classic als auch den Videoschnitt in Adobe Premiere Pro CC getestet und mit einem ähnlich gut ausgestatteten, aber natürlich älteren ThinkPad T470p (i7-7820HQ, 16GB RAM) verglichen.

Das Bearbeiten von Fotos in Lightroom Classic läuft extrem flüssig, gefühlt schneller als am älteren T470p. Wir haben zum direkten Vergleich auch einen Ordner von 226 RAW-Fotos (24MP .CR2, aufgenommen mit Canon EOS 5D Mark III) als JPEG exportiert. Diesen Vergleich konnte das X1 Extreme nach 7min45s für sich entscheiden, allerdings dicht gefolgt vom T470p, das die Fotos nach 7min54s exportiert hatte.

Auch 1080p-Videoschnitt in Premiere Pro CC erledigt das X1 Extreme spielend. Gegenüber dem älteren T470p hat es den großen Vorteil, dass die Nvidia GeForce GTX 1050 Ti Max-Q als CUDA-Beschleuniger unterstützt wird, was das Rendering komplexer Effekte stark beschleunigen sollte. Zum Vergleich stand uns hier eine etwa Reportage von etwa 1h30min zur Verfügung, die jedoch keine komplexen Effekte beinhaltete, sondern nur die Encoding-Leistung testen sollte. Den H.264-Export (Voreinstellung „YouTube 1080p HD“) schloss das X1 Extreme in 28min36s ab. Interessanterweise gewann hier das T470p den Vergleich mit 28min02s.

In jedem Fall ist das X1 Extreme gut als Gerät zur Medienarbeit geeignet – vermutlich umso besser mit dem 4K-HDR-Display, das den sRGB-Farbraum komplett abdecken soll. Wer jedoch über ein Upgrade von einem älteren Gerät nachdenkt, sollte genau prüfen, ob seine Anwendungszwecke von zwei zusätzlichen CPU-Kernen profitieren – das ist auch bei Multicore-optimierter Software nicht zwangsläufig der Fall, wie unser Test zeigt.

Wie verhält sich das X1 Extreme unter Linux?

Auch ohne große Linux-Kenntnisse ließ sich Ubuntu 19.04 problemlos auf dem ThinkPad X1 Extreme installieren. Schon während der Installation war ständig der Lüfter zu hören, was sich leider auch nach dem ersten Start nicht änderte. Ein schneller Blick in die Systemeinstellungen bestätigte: Die Nvidia-Grafik war permanent aktiv. Eine kurze Google-Suche später wurde mittels

sudo apt install bbswitch-dkms

das gleichnamige Paket installiert, um per Kommandozeile einfach zwischen den beiden Grafikkarten wechseln zu können. Diese lauten:

sudo prime-select nvidia -> Nvidia-Grafik aktiv
sudo prime-select intel -> Intel-Grafik aktiv

Nach einem Neustart ist dann die Intel-Grafik aktiv und der Lüfter beruhigt sich schnell. Schnell wurde TLP nachinstalliert. „sudo tlp-stat -b“ gibt im Surfbetrieb mit Intel-Grafik einen Momentanverbrauch von ca. 17W an. Dem gegenüber steht die Laufzeitangabe von knapp 7 Stunden bei vollem Akku. Denoch ist der Stromverbrauch ohne weitergehende Optimierungen aber deutlich höher als unter Windows.
Die verbaute Hardware wird größtenteils erkannt. Touchpad und Trackpoint funktionieren einwandfrei, ebenso die Hotkeys der Tastatur. Die normale Webcam wird erkannt und funktioniert. Die IR-Kamera wird als weitere Webcam angezeigt, zeigt aber nur ein größtenteils korruptes Bild. Der SD-Kartenleser funktioniert. Thunderbolt wird in den Einstellungen angezeigt, konnte mangels passender Geräte aber nicht getestet werden. Keine Treiber gibt es für den Smartcard-Leser sowie den Fingerabdruckleser.

Insgesamt wirkt das ThinkPad X1 Extreme mit Windows für den „Normalnutzer“ deutlich gelungener. Erfahrene Linux-Nutzer können das OS möglicherweise weiter optimieren, jedoch scheint insbesondere die Akkulaufzeit unter Linux stark eingeschränkt zu sein.

Ergänzungen des Autors

Im Arbeitsalltag hat sich das X1 Extreme als sehr gelungenes Gerät erwiesen. Eine Mischung aus Officebetrieb, Internetrecherche sowie wissenschaftlicher Bildbearbeitung (Zeiss ZEN, ImageJ) meistert das leistungsstarke Gerät spielend und hat dabei einen normalen 8-Stunden-Arbeitstag ohne Aufladen und mit knapp 20% Restladung gearbeitet. Auch hier war jedoch kein signifikanter Vorteil der 6-Kern-CPU zu spüren. Lediglich in Spezialanwendungen, wie im sämtliche 12 Threads nutzenden Cinebench R20-Benchmark simuliert, kann die CPU ihren Vorteil ausspielen – und lässt Vierkerner dann deutlich hinter sich.


Fazit

Das ThinkPad X1 Extreme hat sich im ThinkPad-Forum-Test als gelungenes Gerät für Nutzer erwiesen, die Wert auf Mobilität legen und dennoch viel CPU- und GPU-Leistung benötigen.
Gehäuse und Eingabegeräte sind exzellent, lediglich die Handballenauflage wirkt mit ihrer schieren Größe etwas empfindlich. Auch an der Schnittstellenausstattung hat Lenovo trotz Zugehörigkeit zur ultramobilen X1-Serie nicht gespart. CPU und GPU sind leistungsstark, allerdings wird die CPU im Akkubetrieb eingebremst – schade, dass dies aktuell nicht umgangen werden kann. Das Display ist solide, anspruchsvolleren Anwendern steht mit der 4K-HDR-Option eine (teure) Alternative zur Verfügung. Schade: WWAN ist nicht einmal optional verfügbar. Der Akku ist mit 80 Wh üppig dimensioniert und erlaubt angesichts der verbauten Leistung beeindruckende Laufzeiten. Angesichts der Ausstattung scheint auch der Preis von 1.999€ (Studentenmodell) gerechtfertigt.
Insgesamt ist das X1 Extreme ein rundum empfehlenswertes Gerät, das einen gelungenen Kompromiss zwischen hoher Leistung und guter Mobilität schafft.

Autor: Yassin

Mein erstes ThinkPad war ein T41, das ich 2009 als Übergangsgerät zwischen einem Samsung-Notebook und einem MacBook Pro verwendet habe. Nach einem Jahr und einem defekten Unibody-Gehäuse habe ich dann ein ThinkPad X201 neu erworben - und dann hat das Sammeln begonnen. Geschätzte 50 ThinkPads später (von denen ich einige immer noch habe) arbeite ich aktuell mit einem ThinkPad T470p und teste hier im Team gerne Lenovos Neuvorstellungen.